8. Januar 2021

Was kostet ein Konflikt?

Was ist ein Konflikt?

Konflikt kommt vom Lateinischen 'confligere' = zusammenstoßen. Das ist das Unangenehme an Konflikten, das Zusammentreffen von vier Elementen, die hohe emotionale Betroffenheit erzeugen und Energie zu handeln bewirken:


- Gegensätzlichkeit
- Unvereinbarkeit
- Gleichzeitigkeit
- Abhängigkeit


Konflikt heißt für mich, dass zwei oder mehrere Personen unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse haben, die scheinbar oder tatsächlich einander widersprechen. Dies ist nicht zu verwechseln mit dem Streit: Streit ist eine (nicht notwendigerweise feindselige oder manifeste) offene Uneinigkeit zwischen mehreren Akteuren oder Parteien. Manche bezeichnen es auch als 'Hader' für einen bitteren, anhaltenden Streit und Zwietracht für einen hassvollen.
Konflikte können im Streit ausgetragen werden, durch eine geordnete Konfliktlösungsmethode - oder auch gar nicht. Meines Erachtens ist die letzte Variante die schlechteste.

Was kostet ein Konflikt?

Einen praktischen Konfliktkostenrechner finden Sie hier. Es werden die reinen externen Kosten gegenübergestellt. Das alleine ist schon beeindruckend. Dazuzurechnen sind noch der Ärger, die Energie, die verlorene Geschäftsbeziehung und viele weitere immaterielle Aufwände.

Die Konfliktkostenstudie der Experts Group WirtschaftsMediation von 2006 untersuchte mit einem Expertenteam (Berndt Exenberger, Erwin Grabler, Elvira Hauska und Helmut Peltz) die Bereiche Recht, Personal, Kunden- und Lieferantenbeziehungen. Die befragten Unternehmen schätzen das Verbesserungspotenzial auf durchschnittlich 19,1 % der jeweiligen Kostenbasis.

Einer Studie der Beratergruppe Neuwaldegg zufolge 'wenden Manager mehr als ein Drittel ihrer Zeit für Konflikte und ihre Konsequenzen auf, die Mehrheit zeigt sich davon überfordert und ist für Unterstützung dankbar. Der Zeitaufwand überrascht nicht. Schließlich geht es in Unternehmen um nichts anderes als unter der Vorgabe knapper Ressourcen Entscheidungen zu treffen, oft zwischen sehr widersprüchlichen Alternativen.

Die Kosten schlecht oder nicht gelöster Konflikte sind hoch: Rechtsstreitigkeiten, zunehmende Fluktuation oder innere Kündigung, Fehlzeiten, Krankheit und Stress, abnehmende Produktivität einzelner oder ganzer Teams und finanzielle Risiken fallen ins Gewicht.

Konflikte: Motor und innovative Kraft in Unternehmen

"Positiv betrachtet sind Konflikte Motor für die Entwicklung von Unternehmen, sie haben innovative Kraft, weil sie die Notwendigkeit zu handeln und zu entscheiden erzeugen, ob es nun um Strategie-, Organisations- oder Personalentscheidungen geht“ (Barbara Heitger, Beratergruppe Neuwaldegg)

Die Fähigkeit, Konflikte produktiv zu lösen, ist entscheidend für den Erfolg von Unternehmen. Die Realität sieht aber anders aus: Heitger und Boos berufen sich auf eine Studie des Chartered Institute of Personnel & Development aus 2004: Danach schätzen mehr als 50% aller Befragten die Konfliktlösungskompetenz ihrer Manager als lediglich durchschnittlich ein. Dieselbe Studie ergab, dass Unternehmen, die Trainings zu Mediation und Konfliktlösung durchführen, jährlich im Durchschnitt um 50% weniger Disziplinarfälle haben als bei Organisationen, die solche Seminare nicht anbieten. Konflikte zu lösen ist eine Kunst, die also nicht jeder Manager beherrscht.

Genug gestritten?

Sie möchten Konfliktkosten senken und Ihre Nerven schonen, wissen aber nicht, wo anfangen? Wir helfen Ihnen gerne.

Weiterführende Literatur zum Thema Konfliktkosten

Winfried Berner und Kollegen: Konfliktkosten: Der ökonomische Preis von Grabenkriegen und Harmoniesucht

Konflikte kosten nicht bloß Nerven, sie kosten auch Geld – jedenfalls wenn sie während der Arbeitszeit stattfinden. Bis zu einem gewissen Grad sind diese Kosten unvermeidlich, denn es braucht einfach Zeit, widerstreitende Ziele und Handlungsintentionen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, Erwartungen zu klären oder entstandene Enttäuschungen auszuräumen. Zu einem wirtschaftlichen Problem werden die Konfliktkosten dann, wenn ein nicht relativ rasch und in konstruktivem Geist geklärt wird, sondern eskaliert, sich zu einem langwierigen auswächst oder gar zu einem "kalten Konflikt" gefriert, der eine Organisation auf Monate und unter Umständen Jahre hinaus lähmt. Dabei gilt die Faustregel: Die Kosten einer destruktiven Austragung von Konflikten sind umso höher, je höher die Hierarchieebene der beteiligten Personen, je größer das Unternehmen und je dynamischer das Markt- und Wettbewerbsumfeld ist.

>> Artikel lesen

Detlev Berning: Konflikte kosten Unternehmen Geld – aber wieviel?

Konflikte kosten Unternehmen Geld – aber wieviel? Dass Konflikte nicht ohne wirtschaftliche Folgen bleiben, ist ein offenes Geheimnis. Diese zu berechnen und in Euro beziffern zu können, wünschen sich alle, die hier gute Argumente für Wirtschaftsmediation vermuten. Der Beitrag befasst sich mit der zahlenmäßigen Ermittlung und Darstellung von indirekten Konfliktkosten anhand von zwei Beispielsunternehmen aus dem Profit-Bereich. Damit werden rechtfertigende betriebswirtschaftliche Analysen, die häufig solche Veränderungen erklären, ad absurdum geführt. Die Beispiele sind so gewählt, dass der Leser bzw. die Leserin einen Eindruck über die Bedeutung von Konfliktkosten bekommt, insbesondere die Dynamik ermessen kann, die den wirtschaftlichen Abwärtstrend bei nachhaltig ungelösten Konflikten begründet.

>>Artikel lesen

Print Friendly, PDF & Email

Autor/in

Peter Adler

Das könnte Sie auch interessieren:

Page [tcb_pagination_current_page link='0'] of [tcb_pagination_total_pages link='0']

>